Gazeta Wyborcza pisała wczoraj o artykułu z FAZ Polacy znów czują się germanizowani, który ma na temat kłopoty polsko-niemieckich małżeństw. Dla zainteresowanych umieszczam oryginalny artykuł Konrada Schullera:
Deutsch-polnische Szenen aus dem Elternkrieg
Wieder fühlen sich Polen "zwangsgermanisiert" - dieses Mal wegen der Sprachpraxis von Jugendämtern. Von Konrad Schuller
WARSCHAU, im November. Szenen eines Elternkrieges: Am 24. Oktober bremst in der Düsseldorfer Innenstadt ein silberfarbener VW Golf scharf. Jemand springt heraus und greift sich den neun Jahre alten Moritz, der gerade mit seiner Stiefmutter durch die Lorettostraße geht. Schon sind die Türen zugefallen, der Fahrer hat Gas gegeben, und obwohl einige Passanten versuchen, den Wagen zu stoppen, ist er schnell um die Ecke verschwunden. Kurz darauf findet die Polizei den Golf verlassen an der Oberbilker Allee.
Wenige Tage später gibt Moritz' Mutter, die Polin Beata P., die nach ihrer Trennung von ihrem deutschen Mann ihren Sohn mehrere Jahre nicht sehen durfte, dem polnischen Staatsfernsehen und der Zeitung "Rzeczpospolita" ein Interview an einem unbekannten Ort. Ja, Moritz sei bei ihr. Ja, es gehe ihm gut. "Es war die einzige Chance, ihn wiederzusehen." Das Fernsehen zeigt die Frau und ihr Kind mit Bauklötzen in einem nicht identifizierbaren Innenraum. Die deutsche Polizei hat Beata P. und ihren Sohn zur Fahndung ausgeschrieben.Szenen eines Medienkrieges. Im Februar 2007 attackiert Anna Fotyga, die Außenministerin der nationalkonservativen Regierung Kaczynski, in dieser Zeitung die "Assimilierungspolitik" der deutschen Behörden im Umgang mit Kindern aus gescheiterten deutsch-polnischen Ehen. Vor allem, dass deutsche Jugendämter polnischen Müttern und Vätern verbieten wollten, im "betreuten Umgang", bei dem ein Beamter des Jugendamts dabei sein muss, mit ihren Kindern polnisch zu sprechen, sei geeignet, "die Geister unserer schweren Vergangenheit zu wecken".Das "patriotische" Segment der Warschauer Presse zieht sofort nach. Nach Erika Steinbach, der Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, nach Bundeskanzler Gerhard Schröder, der mit Wladimir Putin Röhrengeschäfte zu Lasten Polens macht, ist ein neuer Hauptfeind der Nation identifiziert: das "Jugendamt". Das Staatsfernsehen TVP, seit den Zeiten des nationalkonservativen Regierungschefs Jaroslaw Kaczynski fest in der Hand der deutschlandkritischen Rechten, versieht eine dramatisch aufgemachte Reportage über die Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland mit einem alarmierenden Kommentar: Die Jugendämter des bedrohlichen großen Nachbarn hätten "unbegrenzte Macht über Familien", sie könnten Kinder "ohne Gerichtsurteil wegnehmen" und polnischen Eltern verbieten, "in ihrer Muttersprache" mit ihren Kindern zu reden. Das Wochenblatt "Wprost" fasst einen Text über angebliche Repressalien gegen polnische Mütter und Väter in Deutschland im Titel zusammen: "Die Kinderdiebe".Seit dem Vorfall in der Düsseldorfer Lorettostraße haben die Alarmberichte über die "Assimilierungspolitik" der Jugendämter neue Höhepunkte erreicht. Tatsächlich hatte der Beziehungskrieg zwischen Beata P. und dem deutschen Vater ihres Sohnes von Anfang an alle Zutaten eines medialen Dramas. Schon einmal hatte die Mutter gegen den Willen des Vaters mit ihrem Sohn für mehrere Monate Deutschland verlassen. Die Behörden reagierten darauf mit dem Beschluss, das Kind dem Vater zuzusprechen. Beata P. aber durfte ihren Sohn nach ihrer ersten unerlaubten Ausreise nur noch unter Aufsicht sehen, später gab es dann gar keine Treffen mehr.In dieser Phase begann die "Assimilierungspolitik": Es erging die Verfügung, dass Beata P. bei ihren begleiteten Treffen mit Moritz nur noch deutsch sprechen durfte. Polnisch war, wie die Mutter dem Berliner Anwalt Stefan Hambura mitteilte, bei diesen Gesprächen verboten. Das Jugendamt Mönchengladbach will sich wegen des laufenden Verfahrens zu der Sache zwar nicht äußern. Aber vermutlich fürchtete man, bei Gesprächen auf Polnisch könnte eine Kindsentführung vorbereitet werden.Solche Sprachverbote deutscher Jugendämter hat es mehr als einmal gegeben. Das Europäische Parlament, bei dem immer wieder Beschwerden eingelaufen sind, hat nach Auskunft der zuständigen Beamtin im Sekretariat des Petitionsausschusses von 15 bis 20 ähnlichen Fällen Kenntnis bekommen. Immer wieder haben dabei deutsche Jugendämter im "betreuten Umgang" zwischen ausländischen Vätern oder Müttern und ihren Kindern den Gebrauch der Herkunftssprache verboten - vor allem, wenn die Gefahr von Entführung oder Missbrauch bestand. In Polen, wo die traumatische Erinnerung an die "Eindeutschung" geraubter Kinder im Zweiten Weltkrieg bis heute wach ist, weckten die Berichte über diese Fälle sofort Germanisierungsängste. Der Petitionsausschuss des Europaparlaments unter seinem polnischen Vorsitzenden Marcin Libicki nahm sich daher der Sache an und bat mehrere deutsche Behördenvertreter um Stellungnahmen.Berlin prüfte die Fälle - und kam zu einer Bewertung, die alles andere als schmeichelhaft war für die Praxis der Jugendämter. Eine Vertreterin des Familienministeriums gab vor dem Petitionsausschuss zu, dass in zumindest einem Fall das verhängte Polnischverbot "weder richtig noch rechtens" war. Die Jugendämter dürften zwar begleiteten Umgang anordnen, aber bei binationalen Paaren müsse der Sozialarbeiter "die erforderlichen Sprachkenntnisse" mitbringen, um ein Gespräch in der Muttersprache von Kind und Elternteil zu ermöglichen. Falls beim Amt niemand diese Sprache beherrsche, müsse die Behörde eben einen Dolmetscher bezahlen.Es ist seither einiges passiert in den deutschen Behörden. Das Familienministerium hat, wie der Parlamentarische Staatssekretär Hermann Kues in einem Brief vom April versichert hat, zwar kein "strukturelles Problem" festgestellt. Bei den Jugendämtern sei aber die "Kompetenz" im Umgang mit binationalen Trennungskonflikten "nicht immer" vorhanden. Auch Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) nahm sich der Sache an. In einem Brief vom Februar 2007 schrieb sie, für Trennungskinder sei die Sprache eines ausländischen Elternteils eine "kulturelle Bereicherung". Ihr Gebrauch könne nur ausnahmsweise verboten werden, "aus Gründen des Kindeswohls" - also nicht etwa nur deshalb, weil das Amt keinen Dolmetscher bezahlen wolle.Trotz dieser Selbstkritik ist im deutsch-polnischen Krieg der Familien und der Medien bis heute kein Frieden eingekehrt. Vor allem ist nach wie vor strittig, ob die Sprachverbote der Jugendämter tatsächlich aufgehört haben. Das Sekretariat des Petitionsausschusses beim Europaparlament teilt mit, dass in letzter Zeit keine Beschwerden über diskriminierende Praktiken der Jugendämter mehr eingegangen seien. Auch Evelyn Gebhardt, "Mediatorin des Europäischen Parlaments bei grenzüberschreitenden Fällen von Kindesentführungen", sagt, ihr seien keine neuen Fälle bekanntgeworden. Dennoch geht auf polnischer Seite der Feldzug weiter. Marcin Libicki, der übrigens der Partei der nationalkonservativen Zwillinge Kaczynski angehört, spricht in Interviews nach wie vor von "Sprachdiskriminierung" bei deutschen Ämtern, obwohl er dieser Zeitung gegenüber nicht sagen wollte, welche neuen Fälle ihm nach der deutschen Selbstkritik vom letzten Sommer bekanntgeworden seien.Polens konservative Presse aber hat Beata P. nach ihrer verzweifelten Flucht mit ihrem Sohn zum Star der Stunde gemacht. Während die deutsche Polizei nach ihr fahndet, besucht das Staatsfernsehen sie in ihrem Versteck. Die "Rzeczpospolita" beschreibt sie als "Heldin unserer Erzählung", deren Tat man zwar nicht billigen, aber angesichts der deutschen Sprachverbote doch "verstehen" könne. Als sei in Deutschland seit den Schuldgeständnissen des Familienministeriums nichts geschehen, fragt die Zeitung vielsagend, ob für die Deutschen immer noch "die fremde Kultur die schlechtere Kultur" sei.Die Fahndung nach Beata P. und ihrem neun Jahre alten Sohn Moritz geht unterdessen weiter. "Er hat mich umarmt und mir gezeigt, wie er mich liebt", hat die flüchtige Mutter in ihrem Versteck den Journalisten gesagt. Die Kamera zoomte heran, zeigte Möbel, eine dunkelhaarige, zierliche Frau auf einem Teppich, verstreutes Spielzeug. Und mitten in alldem, verloren und ahnungslos, die schärfste Waffe in diesem Krieg der Paare und der Journalisten - ein Junge von neun Jahren.


Komentarze
Pokaż komentarze (16)